Reisen in die Idylle

Von Dr. Christine Riedl-Valder, aus dem Magazin Juraland Ausgabe 1 /Sommer 2016

Für alle Stressgeplagten, die spontan und kurzfristig mal dem Alltagsrummel entfliehen wollen, bietet das nahe gelegene Labertal eine Vielzahl an erholsamen und entspannenden Sinneseindrücken bei Sport- und Freizeitaktivitäten inmitten einer idyllischen Landschaft. Romantische Rad- und Wanderwege laden ein zu ausgedehnten Streifzügen entlang des Flusses, vorbei an Blumen- wiesen, Gemüsefeldern, Mischwäldern, steil aufragender Kalksteinfelsen und den südländisch anmutenden Jurahängen mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna. Darüber hinaus kommen die Freunde von Kultur und kulinarischen Genüssen hier voll auf ihre Kosten, denn in dieser Region wird sowohl die Tradition als auch die Kreativität aufs beste gepflegt.

Naturgenuss pur bietet der 85 km lange Labertal-Radweg zwischen Sinzing (bei Neumarkt) und Regensburg. Startet man von der Welt - kulturerbestadt aus, die aus allen Richtungen per Bahn bequem zu erreichen ist, überquert man erst einmal in Prüfening die Donau. Von dort geht es auf dem Radweg flussaufwärts durch die abwechslungs- reiche Juralandschaft. Alte Brücken, Mühlen, Burgruinen und urige Wirtshäuser am Wegesrand sorgen für ein malerisches Ambiente.

Markante Aussichtspunkte sind die „Nadelspitz“, der erhobene „Felsen-Zeigefinger“ am Alpinen Steig in Schönhofen und die außergewöhnliche Höhlenburg Loch in Eichhofen, die den Histo- rikern und Bauforschern immer noch so manche Rätsel aufgibt. Ein Förderverein engagiert sich seit Jahren für die Rettung und Erhal- tung dieses einzigartigen Denkmals. Hier lockt die traditionsreiche Brauereigaststätte der Familie Schönharting zur Einkehr. Sie offeriert ein kulinarisches Angebot, das allen Ansprüchen gerecht werden kann, und bietet Gasträume im Wohlfühl-Ambiente sowie einen gemütlichen Biergarten, der auf einer Terrasse direkt am Fluss liegt.

Von Eichhofen geht es auf dem Radweg weiter den Fluss entlang Richtung Laaber, das etwa zehn Kilometer entfernt liegt. Die Land- schaft bei Deuerling prägen die Trockenhänge entlang der Talflanken, bewachsen mit Wacholderheiden und den kräuterreichen Grasfluren zwischen Felsenbändern. Sie sind der Lebensraum für viele seltene Pflanzen- und Tierarten, wie dem Sonnenröschen, Thymian, Silber - distel und Bläulinge. Hier trifft man auch immer wieder auf Schäfer mit ihren Herden. Sie erfüllen eine wichtige Aufgabe im Ökosystem dieser Landschaft durch die Abweidung der Hänge. Der Fluss windet sich in vielen Schleifen durch das Tal.

Man passiert eine Reihe von Mühlen. In der Münchsmühle, die seit einigen Jahren wieder bewirtschaftet ist und sorgsam restauriert wurde, kann man im urigen, holzvertäfelten Gastraum oder im vorgelagerten Freisitz, dessen originelle Radständer die Kreativität des Wirts verraten, Brotzeiten und mehr genießen. Von hier aus erreicht man nach kurzer Wegstrecke den kleinen, eng von Häusern umringten Marktplatz von Laaber. Man fühlt sich direkt ins Mit- telalter versetzt angesichts des unmittelbar aufragenden Burgberges und den schmalen Gassen, die an ihm hochführen. Die alten Ruinen sind die Reste vom Wohnsitz des einst mächtigen und reichen Rittergeschlechts der Herren von Laaber. Dieser Adelsfamilie entstammte der Dichter und Minnesänger Hadamar III, dessen Liebesdichtung „Die Jagd“ beim höfischen Publikum im 14. Jahrhundert sehr beliebt war. Den Marmorgrabstein seines Sohnes, Ritter Hadamar IV. (+ 1420), findet man in der örtlichen Pfarrkirche St. Jakob. Der Ortskern von Laaber wurde in den vergangenen Jahren saniert, so dass die alten Bürgerhäuser, Plätze und Straßen nun – zum Beispiel beim jährlichen Bürgerfest zu St. Jakobi - im Schatten der Burg eine traumhafte Kulisse abgeben. Wer nun eine Kaffeepause einlegen will, bekommt auf der Gartenterrasse im Café Zeitler beste hausgemachte Kuchen und Torten serviert.

Der nächste Streckenabschnitt des Labertal-Radweges mit rund neun Kilometern kann wieder mit einer Fülle reizvoller Naturein- drücke aufwarten. Er führt nach Beratzhausen, einem der ältesten und geschichtsträchtigsten Orte im Landkreis Regensburg. Auf Nebenstraßen, auf Wiesen- und Waldpfaden lässt sich die noch weitgehend naturnahe Landschaft genießen. Bei einer Rast am Fluss vergisst man leicht die Zeit, wenn man die Pflanzenwelt im dunklen Wasser studiert und dem Spiel der Wellen folgt.

Kurz vor Beratzhausen bietet die Friesenmühle eine ideale Raststation. Bayerische Spezialitäten, leckere Spargelgerichte, Forellen aus eigener Fischzucht, Wild aus heimischen Wäldern und hausgemachte Kuchen laden zum Schlemmen ein. Mit einer kleinen Dokumentation erinnert die Wirtsfamilie Seitz im Flur ihres Gasthauses an einen Sonderling, dessen Lebensgeschichte eng mit ihrer Mühle verbunden ist. Um den „Hiasl“, wie man ihn nannte, ranken sich einige abenteuerliche Berichte und Erzählungen. Er lebte 24 Jahre lang einsam in einer nahe gelegenen Höhle im Wald und fristete sein karges Dasein bis zu seinem Tod im Jahr 1948 als Korbflechter. Seit kurzem führt auch ein Wanderweg von der Straßenkreuzung aus zu seiner einstigen Behausung. Die begleitende Beschilderung informiert über das Leben dieses Oberpfälzer Originals.

Die hier steil aufragenden Felswände zu Seiten des Flusstales werden von einer imposanten Brücke verbunden. Bereits seit 1874 rollt auf ihr der Schienenverkehr. Mit 45 Metern stellt sie die dritthöchste Eisenbahnbrücke in Bayern dar. Auf dem Labertal-Radweg erreicht man nach einem Kilometer den Marktplatz von Beratzhausen. Von hier aus führt die Route weiter flussaufwärts über Parsberg und Lengenfeld bis ins Quellgebiet der Laber bei Pilsach.

Den nachhaltigsten Landschaftsgenuss bietet das Land an der Schwarzen Laber auf Spaziergängen und Wanderungen. Vor allem der Markt Beratzhausen hat dazu eine Fülle von interessanten Rund- und Themenwanderwegen erarbeitet. Ausgangspunkt ist der Johann-Ehrl-Platz im Ortszentrum, wo eine Info-Tafel über die Streckenverläufe Auskunft gibt. Die Anreise von Regensburg aus ist nur kurz: mit dem Auto (über die A3, Ausfahrt Laaber oder Beratzhausen) oder mit dem Zug (Richtung Nürnberg) ist Beratzhausen innerhalb von rund 25 Minuten zu erreichen.

Nun kann man sich für den „Burgenwanderweg“ entscheiden mit einem Ausflug auf den nahe gelegenen Schlossberg zu der im Wald versteckten Burgruine Ehrenfels. Es handelt sich um die Reste eines einst mächtigen Adelsitzes. Ringwall und Graben sowie einige Grundmauern und Turmruinen sind noch erhalten und erinnern an die einst bedeutenden Rittergeschlechter der Ehrenfelser und der Stauffer zu Ehrenfels. Die Burg wurde erstmals 1256 in einer Schenkungsurkunde des Chunrad von Ernfels urkundlich erwähnt. Westlich davon befindet sich mit dem Burgstall Hohe Felsen über dem Tal der Schwarzen Laaber eine weitere mittelalterliche Befestigung.

Oder man wählt die dreieinhalb Kilometer lange Rundtour „Obst und Literatur“, die über den Hohen Felsen mit herrlicher Aussicht aufs Labertal führt. Die Tafeln auf dieser Strecke zitieren Texte bekannter Schriftsteller über das Obst. Eine davon ist dem Schriftsteller Gottfried Kölwel gewidmet, der in Beratzhausen aufwuchs und viele Geschichten und Gedichte über das Labertal und seine Bewohner verfasst hat. Der Weg führt an seinem Geburtshaus vorbei, das sich an dem nach ihm benannten Platz befindet. Auch Martin Luther kommt zu Wort mit seinen Lebensweisheiten, wie zum Beispiel den bekannten Sprüchen „Ein Baum muss zuvor gut sein, ehe er gute Früchte trägt“ oder „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Der „Franz- Xaver-Staudigl-Wanderweg“ widmet sich ebenfalls der Literatur. Er verläuft entlang des Flusses über den idyllischen Alleeweg und stellt die Lyrik des Autors, der als Bürgermeister auch ein äußerst geschätzter Kommunalpolitiker des Ortes war, in den Mittelpunkt. Mit seinen Gedichten hat Franz Xaver Staudigl der Natur seiner Heimat ein Denkmal gesetzt.

Wer moderne Skulpturen schätzt, wird auf dem „Kunstwanderweg“ voll auf seine Kosten kommen. Er führt in den wertvollen Skulpturenpark von Beratzhausen auf den Laberwiesen mit zahlreichen Steinbildwerken rumänischer, bulgarischer, ungarischer, französischer und deutscher Künstler. Sie entstanden während der internationalen Kunstsymposien und Ferienakademien, die seit 1992 alle drei Jahre in Beratzhausen stattfinden. Maler und Bildhauer aus ganz Europa kommen zu diesem Anlass ins Labertal, um hier mehrere Wochen lang Kunstwerke vor Ort zu schaffen und ihr Wissen weiterzugeben. Ihre Arbeiten widmen sich elementaren Fragen menschlichen Lebens, reflektieren religiöse Grundwerte oder sind Resonanz auf die einzigartige Naturlandschaft des Labertals. Manche stehen im Spannungsfeld zum traditionellen Ortsbild, wie zum Beispiel die „Brücke zur Seligkeit“ von Mihai Buculei, der eine verpuppte Menschengestalt – die den Geist des Menschen oder die Seele symbolisiert - in der Schwebe zwischen Himmel und Erde präsentiert, oder der „Kreuzweg“ von Aurel Vlad, der mit einem gleichsam zu Stein ge- wordenen Scherenschnitt Motive der Volkskunst Osteuropas zitiert.

Bereits am Ortseingang von Beratzhausen empfängt das Europator des rumänischen Bildhauers Liviu Russu die Besucher mit weit geöffneten Türflügeln. Es ist ein Hinweis auf den Ehrentitel „Europagemeinde“, der dem Markt für seine vorbildliche europäische Kulturarbeit verliehen wurde. Neben lebendigem Brauchtum und einem ausgeprägten Vereinsleben startete man hier nämlich schon früh Aktivitäten im Dienst der Völkerverständigung. Was als Unterstützung gegen materielle Nöte mit Lastwagen-Konvois voller Hilfsgüter Richtung Osten begann, wurde dann bald auf die kulturelle Ebene ausgeweitet. Die heute bestehenden vielfältigen Kontakte und gemeinsamen Aktivitäten tragen zum gegenseitigen Verstehen bei und realisieren das Zusammenwachsen Europas von der Basis einer Gemeinde aus.

Eine weitere Wanderroute hat die Geschichte der Mühlen am Fluss zum Thema. Schon früh hatte man erkannt, dass das Gefälle der Laber hervorragend für die Wasserkraftnutzung geeignet ist. Im Laufe der Zeit wurden die Anlagen dem jeweiligen Bedarf angepasst. So entstanden Pulver-, Papier-, Farb- und Glasschleifmühlen sowie Hammerwerke zur vorindustriellen Produktion. Der Weg führt auch am ehemaligen Flussbad von Beratzhausen vorbei und verläuft nahe dem heutigen Felsenbad. Wer Zeit hat, sollte ihm einen Besuch abstatten, denn durch seine Anlage auf einzelnen Terrassen und die Einbettung in die Landschaft der Jurahänge hat man von dort auch eine schöne Aussicht auf das Tal und die Eisenbahnbrücke. Falls sich bei so vielen Aktivitäten der Hunger meldet oder Souvenirs aus dem Labertal gefragt sind, bieten die lokalen Gasthöfe, Metzgereien und Geschäfte eine große Auswahl an regionalen Spezialitäten und Erzeugnissen an.

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